Winterzeit: Deshalb gibt es die Zeitumstellung

Winterzeit: Deshalb gibt es die Zeitumstellung

Die Einführung der Winterzeit erfolgte in Deutschland 1980, da man sich von der Regelung versprach, das Tageslicht besser nutzen zu können und auf diese Weise als späte Reaktion auf Ölkrise von 1973 Energie zu sparen. In einigen Nachbarländern Deutschland, u.a. Großbritannien und Irland, war die Zeitumstellung bereits früher eingeführt worden, so dass die Deutschen die Stundenzählung angleichen wollte.

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Wann ist die nächste Zeitumstellung?
Die nächste Zeitumstellung von der Winterzeit auf die Sommerzeit findet am Sonntag den 31.03.2013 um 2:00 Uhr statt! Die Uhr wird dann um 1 Stunde vorgestellt, die Nacht ist eine Stunde kürzer!

Noch -122 Tage, 10 Stunden, 19 Minuten und 45 Sekunden

bis zur nächsten Zeitumstellung.

winterzeit

Laut Zeitgesetz in der neuen Fassung von 1994 ist die Zeitumstellung wie folgt geregelt und orientiert sich an der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ): Die Umstellung von der Sommerzeit auf die Normalzeit, d.h. Winterzeit erfolgt durch das Zurückstellen der Uhr um eine Stunde in aller Regel im Oktober am letzten Sonntag um 3.00 Uhr. Beim Wechsel von der Winterzeit auf die Sommerzeit wird generell am letzten Sonntag des Monats März um 2.00 Uhr die Uhr vorgestellt.

sommerzeit

Hintergrund
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts orientierte man sich hinsichtlich der Zeitmessung am Stand der Sonne, so dass die Zeit von Ort zu Ort differierte. An der “Berliner Zeit” orientierte man sich in Preußen, während man in Bayern gemäß der Münchner Ortszeit noch sieben Minuten hinterher war. Als das Eisenbahnnetz europaweit ausgebaut wurde, erkannte man die Notwendigkeit der Vereinheitlichung der Zeit. 1884 wurde daher die Welt in 24 Zeitzonen eingeteilt. Die Mitteleuropäische Zeit gilt in Deutschland seit 1893. Der erste Versuch der Einführung einer saisonalen Zeitumstellung wurde während des Ersten Weltkrieges 1916 gestartet. Die Regelung hielt allerdings nur drei Jahre an, und zu Beginn der Weimarer Republik wurde sie wieder abgeschafft. Auch in den Anfängen des Dritten Reiches hielt man an der Mitteleuropäischen Zeit fest. Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde die Sommer-/Winterzeitregelung wieder eingeführt, da zum einen die Rüstungsindustrie hinsichtlich der Arbeitsstunden profitieren und zum anderen der Energieverbrauch möglichst gering gehalten werden sollte. In der Nachkriegszeit entstand aufgrund der unterschiedlichen Regelungen in der westlichen und östlichen Besatzungszone eine zeitliche Lücke von zwei Stunden, da die Sowjets in ihrer Zone die Moskauer Zeit einführten.

Winterzeit vs Sommerzeit  - 3D

Von 1947 bis 1949 gab es eine Hochsommerzeit, die für die Monate Mai bis Juni galt und in der die Uhren nochmals um eine Stunde vorgestellt werden mussten. Auf diese Weise wollte man das Tageslicht so gut wie möglich ausnutzen, da man in dieser Zeit aufgrund der noch nicht wieder aufgebauten Infrastruktur sehr stark vom Tageslicht abhängig war. In der Zeit von 1950 bis 1979 war Deutschland das einzige Land in Europa, das die saisonale Zeitumstellung verweigerte. Da man mit dieser Haltung in Europa alleine dastand und es auch wirtschaftliche Konsequenzen daraus resultierten, gab es 1978 erste Bestrebungen sich den anderen Europäern wieder anzunähern. Es gab über die Einführung der MESZ Diskussionen, die dann 1980 schlussendlich in der Wiedereinführung der Zeitumstellung mündeten. 1996 erfolgte die Vereinheitlichung sämtlicher europäischer Sommerzeitregelungen.

Negative Folgen
Die Annahme, die der Einführung der Sommerzeit / Winterzeit zu Grunde liegt, wurde bereits mehrfach widerlegt. Durch die gezielte Verwendung von energieeffizienten Beleuchtungssystemen kommt es zu keinen nennenswerten Einsparungen in der Sommerzeit, dafür aber zum Anstieg von Heizkosten in den kälteren Monaten der Sommerzeit, wie beispielsweise dem April.

Auch medizinisch gibt es negative Folgen der Umstellung von Sommerzeit auf Winterzeit und umgekehrt, da der Biorhythmus vieler Menschen empfindlich gestört wird, so dass es zu gesundheitlichen Problemen kommt. Der Biorhythmus des Menschen, auch als innere Uhr bezeichnet, wird durch das Licht der Sonne bzw. den Wechsel zwischen Hell und Dunkel beeinflusst. Grundlegende biologische Körperfunktionen, wie z.B. Blutdruck und Körpertemperatur schwanken im Verlauf eines Tages stark. Das Hormon Melatonin, das für Müdigkeit und gebremste Aktivität verantwortlich ist und als sogenannte Schlafhormon bezeichnet wird, wird beispielsweise verstärkt bei Dunkelheit ausgeschüttet. Durch die Zeitumstellung gerät nicht nur der Biorhythmus durcheinander sondern auch der Schlaf-Wach-Rhythmus, so dass es in der Übergangszeit zu Schlafproblemen kommen kann. Von den negativen Folgen sind besonders Säuglinge, Kinder, kranke und alte Menschen betroffen. Neben Schlafstörung und vermehrte Müdigkeit kommt es während der ca. 14tägigen Anpassungsphase auch zu Konzentrationsstörungen, Depressionen, Gereiztheit, Herzfrequenz-Schwankungen, Appetitlosigkeit und Verdauungsproblemen.

Die Deutsche Bahn tut sich hinsichtlich der Einhaltung der Zeitpläne mit dem Wechsel zwischen Winterzeit und Sommerzeit schwer. Zugreisende müssen mindestens mit einer Stunde Wartezeit rechnen, wenn sie in der Nacht der Umstellung von Sommerzeit auf Winterzeit unterwegs sind, d.h. die Züge halten an Bahnhöfen eine Stunde, um die exakte Einhaltung des Zugfahrplans zu realisieren. Auch im Straßenverkehr sind häufig vermehrt Verkehrsunfällen zu beobachten, die u.a. auf die mit der Zeitumstellung einhergehenden Anpassungsprobleme, wie Konzentrationsstörungen, zurückzuführen ist.

Kritiker bezweifeln daher schon länger, den Nutzen der Zeitumstellung. Politisch gab es Initiativen, die sich mit einer möglichen Abschaffung der saisonalen Zeitumstellung (Winterzeit / Sommerzeit) befassten. Allerdings wurde seitens der deutschen Regierung die Zeitumstellung mit dem Argument verteidigt, dass eine einheitliche Regelung in der EU die Funktionsfähigkeit des Binnenmarktes sicherstellt. Insofern wird Deutschland die Winter-/Sommerzeitregelung solange beibehalten, bis ein einheitlicher Konsens bei allen Mitgliedsländern erreicht ist, gemeinsam die Sommerzeit abzuschaffen.